Stadtrundgang: Überseestadt post/kolonial

Handels- und Hafenbaugeschichten in der Bremer Überseestadt

Die heutige Bremer Überseestadt liegt auf dem Gebiet der ehemaligen stadtbremischen Häfen und trägt viele Spuren, die auf den deutschen Kolonialismus und den Überseehandel verweisen. Unter anderem erinnern Straßennamen unmittelbar an koloniale Akteure und verweisen indirekt auf die kolonialrevisionistischen Bewegungen der 1920er Jahre, in der sich deutschnationale Kaufleute, Politiker und Bürger*innen für die Wiedererlangung der im ersten Weltkrieg 'verlorengegangenen' Kolonien engagierten.

Der Rundgang nimmt diese und andere Spuren vor Ort auf und zeichnet die Entwicklung der stadtbremischen Häfen in ihrer Verwobenheit mit der europäischen Expansion und dem deutschen Kolonialismus nach. Es geht um den Handel mit Kolonialwaren, wie Kaffee, Tabak und Baumwolle, für deren Anbau Menschen in Afrika und den Amerikas versklavt, zur Arbeit gezwungen oder in Lohnabhängikeit gedrängt wurden. Für die bremischen Kaufleute war dies ein profitables Geschäft und einige der Unternehmen aus der Kolonialzeit sind bis heute tätig.

Wie selbstverständlich kolonial-rassistische Weltanschuungen unter hanseatischen Kaufleuten waren, die sich stets für ehrbare Kaufleute hielten und sich gegenüber den vulgären Kolonialideologen in Berlin und Potsdam gern als die progressiven Akteure im kolonialen Unterfangen verstanden, belegen semi-private Briefe zwischen ausgewanderten Söhnen und ihren daheimgebliebenen Eltern.

Entlang der baulichen Strukturen der Überseestadt und zwischen symbolisch aufgeladenen Orten, lädt der Rundgang Teilnehmer*innen dazu ein, kritische Fragen über das Verhältnis von Handelsgeschichte und Hafenbau, Stadtpolitik und Kolonialismus zu stellen: Wie wurde Bremen zur deutschen Kaffeehauptstadt? Wie wurde Baumwollhandel organisiert und wie hat sich Bremen seine prominente Stellung im Baumwollhandel bewahrt? Was haben Naturbeherrschung und der Bau von Hafeninfrastrukturen mit dem kolonialen Projekt zu tun?

  • Die Tour dauert etwa 120 Minuten.

  • Start- und Endpunkt ist die Haltstelle Überseetor.

  • Den Rundgang bieten wir seit 2015 öffentlich und auf Anfrage an.

  • Vorrausichtlich ab Frühjahr 2020 wird es dazu einen kartenunterstützten Audioguide und zusätzliches Hintergrundmaterial geben.

Öffentliche Termine

  • September 2019
  • Oktober 2019

Kontakt

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